
Kennen Sie das auch? Einen Menschen oder eine Situation falsch eingeschätzt zu haben, setzt einen Prozess der inneren Selbstschelte in Gang: “Wie konntest du denn nur…?!” oder “Du warst ja so dumm!” Noch schlimmer ist es für viele Menschen, wenn sie ja “eigentlich” eine innere Stimme aus ihrem Bauch gehört hatten, diese aber lieber wegschieben wollten. Meistens war dann ein anderes Bedürfnis stärker.
Wenn ich mir Vorwürfe mache, stoppe ich mich meistens schnell wieder. Der Grund: Mir geht es ja schon schlecht, weil ich eine negative Erfahrung gemacht habe. Da ist Trost oder Aufmunterung viel hilfreicher. Genau so, wie wir uns selbst schimpfen oder sogar bestrafen, können wir auch das Alternativprogramm wählen und uns – bildlich gesprochen – selbst in den Arm nehmen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade beim Thema Vertrauensbruch um eine Spiegelung geht. Wenn ich mit Lüge oder Unaufrichtigkeit konfrontiert bin, ist die Lernchance in meinen Augen: sei ehrlich und aufrichtig zu dir selbst. Höre auf dein Bauchgefühl und beherzige es. Wenn du diese innere Stimme lieber leise drehen willst, sei dir dessen bewusst. Frage dich: Was wünsche ich mir jetzt so sehr, dass ich bereit bin, mich selbst zu belügen und zu verraten? So gesehen sind auch Fehler Chancen. Wenn wir uns für das sensibilisieren, was uns davon abhält, uns selbst treu zu sein und uns selbst zu vertrauen.
Die Frage nach der Spiegelung einer Situation oder eines Menschen finde ich persönlich interessant und lehrreich. Meine Wahrnehmung ist, dass es immer etwas mit uns selbst zu tun hat, und dass wir so jedes Thema drehen können, das Schmerz, Enttäuschung oder Ärger in uns auslöst… Das ist das Ende vom “Opfer”-Dasein. Der erste Schritt auch, um sich selbst den Fehler zu verzeihen.
Haben Sie schon einmal einem Menschen Vertrauen geschenkt, der dieses dann enttäuscht hat? Hatten Sie auch ein komisches Bauchgefühl? Denn meistens zeigen Menschen ja deutlich, ob und wie vertraulich sie mit Informationen umgehen. Wir müssen ihnen nur zuhören, wenn sie über andere sprechen.
Ich habe gerade gelernt, dass ich mir und meinem Bauchgefühl vertrauen kann. Eine Erfahrung, die eigentlich ein “Fehler” war, hat mir gezeigt, dass ich Unaufrichtigkeit wahrgenommen hatte. Dass ich mich entschieden hatte, mir nicht zu vertrauen, hat diese Erfahrung erst möglich gemacht. Letztlich war der Fehler eine Bauchgefühlsbestäigungsaktion
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Ist das Schönreden? Für mich ist es einfach eine Sichtweise, die das Verzeihen leichter macht.
Herzlich
Sandra Heinzelmann