„Ein Weiser gibt nicht die richtigen Antworten,
sondern er stellt die richtigen Fragen.“
Claude Lévi-Strauss
Die richtigen Fragen zu stellen ist auch das Markenzeichen eines Coachs. Jeder kann sich “Coach” nennen und Viele machen dies mit wachsender Begeisterung. Gleichzeitig nimmt unter potentiellen Klienten die Skepsis gegenüber diesem speziellen Angebot und seiner bunt gemischten Repräsentantenschar zu. Mit dem Begriff Coaching verbinden sich schnell auch Einwände oder Spontanassoziationen wie “Pseudotherapeuten”, “sündhaft teure Erfolgsgurus” oder “undurchsichtige Modemätzchen”.
Eine wichtige Frage ist, woran ein Klient einen exzellenten Coach erkennt. Davor stellt sich die alles entscheidende Frage: Was kann ein Coach überhaupt für einen Klienten tun und wann genau ist ein Coaching sinnvoll? Gibt es eine Trennschärfe zwischen den Angeboten von Beratern, Trainern und Coachs? Diese Trennschärfe gibt es und sie ist wichtig bei der Suche nach dem passenden Angebot für ganz unterschiedliche individuelle Bedürfnisse. Ein Beispiel aus dem Medienumfeld: Ein mittelständischer Unternehmer und Geschäftsführer plant eine PR-Offensive. Das Ziel ist, sich vor allem lokal, aber auch überregional und in seinem Bundesland mit seinen Produkten und seinem Image neu und besser zu positionieren. Wen beauftragt er dafür am besten? Die Antwort auf diese Frage hängt von seinen genauen individuellen Bedürfnissen und Zielen ab. Tatsächlich können Berater, Trainer und Coachs dem Unternehmer wertvolle Unterstützung bieten und Hand in Hand an einem erfolgreichen Konzept arbeiten.
Berater und Trainer
Der Berater entwickelt ein tragfähiges PR-Konzept, analysiert und optimiert gegebenenfalls den Unternehmensauftritt. Seine Beratungsleistungen lassen sich messen – auch PR setzt zunehmend auf die Evaluation ihrer Maßnahmen. Hat das mittelständische Unternehmen eine Internetpräsenz, die durch Struktur, Inhalt und Design eher nutzerunfreundlich ist, kann ein Relaunch im Zuge der Beratung die Verweildauer der Internetbesucher erhöhen und so einen Mehrwert an Information und Image generieren.
Wurde früher kaum eine Pressemitteilung des Unternehmens beachtet, lässt sich durch gezielte, kleine und feine Verteiler sowie durch direkte Kontakte und inhaltsreiche, professionell geschriebene Pressemitteilungen die Präsenz in den Medien erhöhen.
Das Einführen einer professionell gestalteten Mitarbeiterzeitung und/oder eines ebensolchen Intranetauftrittes im Unternehmen führt nachweisbar zu einer höheren Identifikation der Beschäftigten. Im besten Falle sinken die Fehlzeiten – und zwar positiv motiviert. Auch eine solche Konzeption und Einführung einer Mitarbeiterpublikation kann ein wesentlicher Mosaikstein einer Beraterleistung sein.
Die PR-Konzeption des Beraters sieht ein stärkeres Engagement in den elektronischen Medien vor. Hier fühlt sich der mittelständische Unternehmer eher unsicher, weil er bisher sehr selten Kontakt mit Fernsehkameras hatte: höchste Zeit für ein Kamera-Training. Der Medienprofi, der professionelles Sprechen und Agieren vor der Kamera vermittelt, kann sich natürlich “Coach” nennen und macht dies auch häufig. Tatsächlich trainiert er den Geschäftsführer. Es geht dabei darum, in einer speziellen Situation sicherer und souveräner aufzutreten. Diese Situation lässt sich durchspielen, analysieren und üben. Auch der Kamera-Trainer hat eine direkt beratende Funktion. Er kennt Journalisten, ihre Fragen und die Kniffe, damit souverän umzugehen. Dieses Know-how gibt er an seinen Trainee weiter.
Der Coach
Der Coach unterscheidet sich von Beratern und Trainern – immer dann, wenn er sich als klassischer Business-Coach versteht. Er ist nur im Ausnahmefall Berater, unterstützt und begleitet seine Klienten vielmehr in ihrem individuellen Coaching-Prozess. Dies ist eine Beratung ganz anderer Art, denn sie verzichtet auf vorgegebene Lösungen und den Anspruch zu wissen, was “richtig” und “das Beste” für den Klienten ist.
Wann geht der Unternehmer und Geschäftsführer aus dem Beispiel zu einem Coach? Das kann ganz am Anfang sinnvoll sein, wenn er die Rahmenbedingungen für seine PR-Offensive für sich klärt. Dieses Vorhaben hat direkten Einfluss auf seine Berufs- und Lebensplanung. Was will er also genau mit der Neupositionierung seines Unternehmens erreichen?
Eine erfolgreiche PR-Offensive bindet zusätzlich Zeiten und Ressourcen. Schon jetzt kommt die Familie des Unternehmers zu kurz, auch für Hobbies und Interessen hat er aktuell sehr wenig Zeit. Hier gibt es Handlungsbedarf: Wie kann der Geschäftsführer sein Unternehmen voranbringen und trotzdem mehr Zeit mit seiner Familie verbringen? Dies wären Fragestellungen für ein Coaching. Dabei bekommt der Unternehmer jedoch keine Empfehlungen, Tipps oder Ratschläge von seinem Coach, vielmehr findet er im Dialog mit dem Coach selbst heraus, was genau er will und wie er es umsetzen kann.
Vertrauen spielt in Beratungs- und Trainingssituationen natürlich eine große Rolle. Dort geht es vor allem um das Vertrauen in die Kompetenz und Professionalität des Dienstleisters. Im Coaching sind die Vertrauensbeziehung und der geschützte Rahmen, in dem Coach und Coachee arbeiten, die Basis für alle Ergebnisse. Messen Kunden ihren Berater oder Trainer an den Ergebnissen seiner direkten Arbeit, entstehen und entwickeln sich Coaching-Ergebnisse immer aus den Interaktionen zwischen Coach und Klient. Coaching ist ein Prozess und der Coachee selbst gestaltet diesen Prozess. Ein guter Coach versteht es, sich durch die Art zu fragen bewusst in einen Hintergrund zu verwandeln, der Themen und Lösungswege des Klienten sehr deutlich abbildet und herausstellt. Auf diese Weise lässt der Coach den Klienten klar sehen: mit dessen eigenen Augen. Das kann auch in Provokation verpackt sein oder darin, dem Klienten sein Verhalten oder seine Haltungen zu spiegeln.
Gute Coachs sind jederzeit transparent in der Arbeitsweise und Prozessgestaltung. Sie erkennen und sagen ganz klar, wann Grenzen des Coachings erreicht sind. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich Themen und Anliegen als Therapiebedarf herausstellen – das Erkennen einer Sucht ist für einen seriösen Coach die sofortige Haltelinie. Bei der Definition des eigenen Coaching-Verständnisses und mit einem kostenlosen, unverbindlichen Erstgespräch fängt an, was im Dialog auf gleicher Augenhöhe nachhaltige Lösungen und Wege zu persönlichen Zielen zutage fördern kann. Karriereplanung, Wege aus der inneren Kündigung, das Lösen aktueller Konflikte, Work-Life-Balance, Reanimation verloren gegangener Visionen, Entscheidungsfindungen, Auflösen negativer Glaubenssätze – all diese Themen sind Herausforderungen im und an Coaching
(c) Sandra Heinzelmann



[...] Zusammenfassung der Unterschiede, nach Sandra Heinzelmann. Mehr Infos unter: http://lebensregie.wordpress.com/2007/10/28/trennscharf-was-genau-macht-ein-coach/ [...]
Liebe Sandra,
das ist eine schöne Herausarbeitung dieser Begriffe.
Und wenn ich jetzt mal Deiner Profession weg gehe und diese Begriffe auf mein privates oder berufliches Umfeld übertrage, dann bemerke ich, dass es öfter besser wäre, für andere nicht nur der Besserwisser (i.e. negatives Extrem von Berater) oder Meckerer (i.e. negatives Extrem von Trainer) zu sein, sondern für andere einfach mal „nur“ der Katalysator zu sein, ihnen behilflich zu sein, Klarheit in den Zielen und Lebensentwürfen zu finden.
Danke.
Liebe Grüße,
Ulf