Die Diskussion über positives Denken finde ich immer wieder spannend. Macht es krank und depressiv, wie Wissenschaftler herausgefunden haben? Oder hemmt es eher Krankheiten? (Hier einige Forschungsergebnisse im Überblick.) Was ist überhaupt positives Denken? Wie definiert es sich? Dreht positives Denken eine Situation einfach in ihr Gegenteil um und verklärt sie? Oder konzentrieren sich Optimisten eher auf das, was sie sich wünschen – nach dem Motto „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ (Makia, eines der 7 hawai’ianischen Huna-Prinzipien)?
Für mich ist letzteres stimmig und ich nenne es fokussiertes Denken. Diese Art zu denken, stellt eine Lösung in den Fokus der Aufmerksamkeit statt eines Problems. Wenn etwas anders ist, als ich es mir wünsche oder vorstelle, lasse ich das in dem Moment zu und erkenne es als Realität an. Das heißt auch, dass ich (m)einen emotionalen Zustand annehme und darauf verzichte, gegen die Realität anzukämpfen. Gleichzeitig aktiviere ich mein Lösungszentrum im Gehirn.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kunde hat seine hervorragend dotierte Führungsposition verloren. Er kreist gedanklich unaufhörlich um dieses Problem. Das ist naheliegend und natürlich auch ein wichtiger Teil des Prozesses. Hier geht es ja auch darum, Abschied vom Alten zu nehmen, um offen für etwas Neues zu sein. Da kommen Emotionen hoch wie Schock, Ohnmacht, Wut und Trauer. Im konkreten Falle dauerte dieses Denken an und mündete in direkte Handlungen. Der Klient verkaufte sein Auto, sein Motorrad und zog in eine billigere Wohnung um und zwar noch bevor seine finanziell gesicherte Übergangszeit zu Ende war. Diese Art des Denkens wurde auch im Coaching zum Thema. Das Signal des Kunden an sich selbst war: „Achtung, Gürtel enger schnallen, es geht bergab!“ Die Herausforderung für ihn lag darin, sein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen und zu stützen. Letztlich hat der Jobverlust ihn auf Umwegen zu seiner Traumposition geführt, die er heute bekleidet. Auch hier zeigt sich, dass ein Unglück sich in einem größeren zeitlichen Kontext sogar als Glück herausstellen kann.
Viel hängt dabei tatsächlich von unserer Art zu denken ab. Was denken Sie?
Herzlich
Sandra Heinzelmann



Hallo Sandra,
ich halte positives Denken langfristig gesehen für gefährlich. Über einige Jahre habe ich positives Denken angewendet mit viel Erfolg. Ich konnte damit vieles erfolgreich realisieren, bis hin zur Gründung einer erfolgreichen Firma. Allerdings ist dieses Gebäude nach ein paar Jahren komplett zusammengebrochen. Ich kam in eine große persönliche und berufliche Krise, die mit Depressionen und Burn-out einherging.
Das Problem mit positiven Denken ist, dass dabei die andere Seite, nämlich die negative ausgeblendet wird. Irgendwann drängt diese Seite aber trotz der positiven Schutzschicht, die mit der Zeit aber immer löchriger wird, mit aller Macht durch, um endlich auch wieder Beachtung zu bekommen.
Ich bin vom positiven Denken jedenfalls geheilt. Nach meiner Erfahrung ergibt sich ein realistisches Denken dadurch, dass man seinen Schatten nicht verdrängt, sondern sich mit ihm auseinandersetzt und ihn so lichtet. Auf diese Weise kommt man auch zu einer positiven Sicht, allerdings ohne den Schatten auszublenden.
Viele Grüße,
Thomas
Hallo Thomas,
ja, ich sehe es auch so. Das (vermeintlich) „Negative“ lässt sich nur scheinbar wegdenken oder wegreden. Und dann kostest es im Untergrund auch viel Energie.
Viktor Frankl hat in diesem Zusammenhang sehr interessante Bücher geschrieben: Über den Sinn des Lebens und auch Leidens… über den Umgang mit dem eigenen Leben und dem, was es von uns will…
Viele Grüße
Sandra