Fragen Sie sich oder andere auch manchmal oder sogar oft: „Warum…?“
Warum habe ich…
Warum hat er…
(„Wieder“ wird in dem Zusammenhang auch gerne genommen.)
Gibt es denn in unserer täglichen Kommunikation Antworten auf Warum-Fragen, die uns tatsächlich weiterbringen oder geht es mehr darum, Vorwürfe zu adressieren oder Schuldige zu finden? Lässt sich „warum“ auch ersetzen? Komme ich dann auf eine andere (Gedanken-)Spur?
Susanne (46) hat sich vorgenommen, regelmäßig Sport zu treiben. Sie ist leicht übergewichtig und bewegt sich durch ihre überwiegend sitzende Tätigkeit im Büro tagsüber sehr wenig. Susanne hat sich in einem angesagten und kostspieligen Fitness-Club angemeldet. Die Halbjahresabrechnung kommt und Susanne realisiert, dass sie in den vergangenen sechs Monaten ganze neunmal ins Studio gegangen ist. Neunmal in sechs Monaten ist überschaubar und ergibt rein rechnerisch einen sehr hohen Durchschnittspreis pro Besuch. Susanne fragt sich: „Warum habe ich das Studio so selten genutzt?“ oder „Warum gehe ich nur alle paar Wochen zum Training?“ oder „Warum schaffen andere das, so diszipliniert zu trainieren?“ oder „Warum bin ich so faul und lethargisch?“
„Warum“ macht Susanne das? Bringt eine dieser Fragen sie in der Sache weiter oder geht es darum, „sich die Peitsche zu geben“? Und ändert sich danach etwas? Die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn Warum-Fragen vermitteln wenig Inspiration, um tatsächlich etwas zu verändern. „Was brauche ich, um öfter zu trainieren?“, ist hingegen eine Frage, die mehr in Bewegung setzen kann. Susanne trainiert wie viele Menschen ungern allein. Eine Freundin, die mitkommt wäre ein schöner Ansporn. Der Weg zum Studio ist Susanne im Grunde viel zu weit. In ein Studio zu wechseln, das in ihrer Nähe liegt, kann den Spaß und die Trainingsfrequenz erhöhen.
Die „Was brauche ich…“-Frage ist in die Zukunft gerichtet und lösungsorientiert. „Warum“-Fragen schauen zurück und beklagen oder verurteilen das, was war. Ums Thema Nörgeln und Selbstvorwurf geht es heute auch im Kalender-Blog von Zeit zu leben.
Herzlich
Sandra Heinzelmann



Das Fragewort „warum“ auf Rückwärtsgewandtheit und Selbstvorwürfe zu reduzieren scheint mir etwas einseitig. Nichts gegen „Lösungsorientierung“. Aber keine Lösung ohne Ressourcen! D.h., die Frage „Warum funktioniert etwas bei mir bzw. eben nicht?“ ist notwendige Voraussetzung dafür, dass ein in die Zukunft gerichteter Lösungsansatz nicht zu einem positivistischen Strohfeuer verkommt, welches einem fatalen Rösselsprung gleichkommt: ein Feld vor – zwei zurück.
Der Blick in die Vergangenheit – unsere wichtigste Ressource kann uns stark machen. Es kommt nur darauf an, den Blick für die Stärken zu gewinnen, die manchmal perspektivisch ein wenig hinter den Schwächen zurücktreten.
Danke, Dave, für die Anmerkung.
Statt „positivistisch“ verwende ich persönlich den Begriff „konstruktivistisch“ – im Sinne von „Wirklichkeit kreieren und gestalten“.
Für mich ist der Blick in die Vergangenheit ein Werkzeug zur Beobachtung, Bestandsaufnahme und zur Analyse. Als wichtigste Ressource dient mir die Gegenwart und in dieser liegen alle (auch die potenziellen, also künftigen) Ressourcen, die ich habe. (Im Englischen drückt „Present“, das Wort für Gegenwart, auf eine schöne Art aus, dass diese ein „Geschenk“ ist.)
Den Blick auf die eigenen Stärken zu richten, ist in diesem Kontext auch für mich sehr wichtig. Besonders in Krisensituationen ist dies entscheidend. Hier hilft auch der Blick zurück: „Bisher habe ich immer eine Lösung gefunden.“
Ich bin in fast allem mit Dir auf einer Linie. Nur eine Frage: Warum „konstruktivistisch“ und nicht „konstruktiv“? (und da ist sie wieder, die Warum-Frage *g*) Für mich haben Wörter, die auf „-istisch“ enden, immer den Beigeschmack des Theoretikums. „Konstruktiv“ klingt nach Tat – „konstruktivistisch“ klingt nach Gedankenkonstrukt. Und um den ollen Erich (Kästner) zu bemühen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“
[...] 1st, 2007 by Sandra Heinzelmann Angeregt durch Dave’s Kommentar zu “Warum?” habe ich mein Bücherregal nach einem Buch durchsucht, das den [...]