
Bei Internet-Recherchen habe ich mehr als einmal die Beobachtung gemacht, dass Posts mit Hilferuf-Texten besonders viel Beachtung bekommen. Woran liegt das? Sind wir demnach besonders interessiert daran und gerne bereit, anderen Menschen zu helfen? Oder gibt es – bewusst oder unbewusst - andere Gründe für solche Phänomene… Neugier… Sensationslust oder Voyeurismus vielleicht? Andere?
Was hat Sie persönlich veranlasst auf dieses Post mit dem Hilferuf zu clicken? Wissen Sie noch, was Sie gedacht haben, kurz bevor Sie auf diesen Blog kamen? Etwas wie „Mal sehen, worum es geht und was ich tun kann.“? Oder eher: „Was hat die wohl für Sorgen, sie schreibt doch über Lebensregie?! Da muss sie sich ja wohl selbst helfen können?!!“
Ist Helfen ein Thema in Ihrem Leben? Bitten Sie andere um Hilfe oder fällt Ihnen dies eher schwer? Unterstützen Sie andere lieber als selbst Unterstützung zu erfahren oder hält sich beides die Waage? Wie definieren Sie für sich persönlich das Phänomen “Helfersyndrom“? Haben Sie in sich auch eine solche Helfer-Energie, die sofort anspringt, wenn ein Mensch in Schwierigkeiten steckt?
Helfen ist auf den ersten Blick: „gut“. Hat Helfen in Ihrer Wahrnehmung auch Schattenseiten? Um im Regiebild zu bleiben: Was passiert, wenn ich mich von meinem eigenen Filmset enferne, weil ich den Regiestuhl eines anderen übernehme, um ihm oder ihr zu zeigen oder abzunehmen, was jetzt zu tun ist? Will ich, wenn ich selbst in einer Situation überfordert bin, dass jemand meinen Regiestuhl übernimmt? Und was mache ich dann? Wie fühle ich mich dabei? Wie sehe ich den „Helfer“ auf meinem Regiestuhl?
Das Beispiel einer Klientin, die ich im Buch Raphaela nenne, zeigt, dass der Drang oder Automatismus zu helfen auch ein Gefühl von mangelndem Selbstwert verbergen kann. Sie hat dieses Bedürfnis verändert und geht heute anders mit entsprechenden Situationen um. Raphaela hat gelernt, auf Ihrem Regiestuhl sitzen zu bleiben. Sie unterstützt Menschen auch heute noch. Anders als früher hilft sie mit Informationen und/oder Hilfe zur Selbsthilfe. Das Gefühl verantwortlich zu sein lässt sie bei dem Menschen, der „hilflos“ scheint. Damit ist auch ein altes Rollenmuster durchbrochen, das Raphaela in der Vergangenheit viel Kraft gekostet hat. Diese Kraft investiert sie in ihr eigenes Leben, ohne dabei ihre Empathie und Hilfsbereitschaft zu verlieren.



Hallo Sandra,
spannende Fragen stellst Du!
Das Erste, was ich dachte war: Wie jetzt, sie auch?
Ich helfe sehr gerne, aber das „um Hilfe bitten/fragen“ fällt mir (noch) schwer … ich übe das gerade …
Vom Gefühl her würde ich sagen, dass ich mich … hm … „wertvoller“ fühle wenn ich GEBEN kann (ich kann was „abgeben“) … und wenn ich Hilfe brauche, „bedürftiger“ … dabei übersehe ich, dass es sich „auf Bereiche“ bezieht und nicht auf mich als Person … fällt mir grad mal so auf …
Nachdenkliche Grüße, Ulrike
Liebe Sandra,
auch das habe ich gelernt und lernen müssen: statt zu helfen einfach nur zuzugucken. Zu warten, dass sich die Dinge entwickeln, zu warten, bis man um Hilfe gebeten wird, statt sie einfach nur aufzudrängen…
Danke für diesen Beitrag.
Auch die anderen werde ich noch lesen, einen nach dem anderen…
LG, Ulf