
„Sie sind es sich wert!“ Macht Sie dieser Slogan eines führenden Kosmetikproduzenten auch nachdenklich? Er kommt ja als Behauptung daher statt als Frage. Interessanterweise hat sich der Slogan inzwischen sprachlich verändert: Während es früher hieß: „Weil ich es mir wert bin!“, tönt es heute: „Sie sind es sich wert!“ Ein anderer, ein Außenstehender sagt „mir“ also heute, dass „ich es (mir) wert bin“. Steckt dahinter die Vermutung der Werbestrategen, dass „ich“ selbst damit überfordert bin, mir einen Wert beizumessen? Natürlich kann ich über die Gründe des veränderten Slogans nur mutmaßen, bevor ich die Marketingstrategen selbst nach ihren Beweggründen frage. (Mutmaßen kann auch spannend sein.)
Haben Sie sich schon ernsthaft gefragt: Was bin ich (mir) tatsächlich wert? Ich meine damit: abgesehen von Haarsprays oder anderen Artikeln des besagten Herstellers. Für mich ist die Frage von Werten und Wertigkeiten beruflich und privat spannend. Wenn ich mit Selbstständigen oder Freiberuflern arbeite, taucht dieses Thema immer irgendwo im Berufskontext auf, direkt oder indirekt. Es gibt sehr hilfreiche Tabellen, anhand derer sich rein objektiv messen und berechnen lässt, was eine Arbeitsstunde Sie als Selbstständige/n selbst kostet. Um wirtschaftlich zu arbeiten und Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, erhöhen Sie diesen Stundenpreis. Oder Sie beugen sich „dem Markt“ und machen Dumpingpreisspiralen mit. Das traurige Highlight in meiner eigenen beruflichen Laufbahn war das ernst gemeinte Angebot, für einen Stundenumsatz von 16,66 Euro eine anspruchsvolle Tätigkeit auszuüben. Für mich lohne sich dieses Engagement ja unter Marketinggesichtspunkten durch Steigerung meiner eigenen Bekanntheit… Natürlich war ich es mir wert… klar und deutlich „nein danke“ zu sagen. Das objektiv Messbare ist bei den Fragen nach dem eigenen Wert meistens im Hintergrund, Tabellen helfen wenig. Hier geht es in meiner Wahrnehmung vielmehr um Emotionen, Glaubenssätze oder tief verwurzelte Überzeugungen, die kennen zu lernen sehr hilfreich sein kann.
Übrigens, auch Festangestellte haben häufig Fragen zum eigenen Wert. Besonders Frauen, die nachgewiesenermaßen viel seltener nach einer Gehaltserhöhung fragen als ihre männlichen Kollegen, betrifft dies. (Diesen empfehle ich an dieser Stelle wärmstens das Buch „Gehaltsverhandlungen für freche Frauen“ von Cornelia Topf.)



Ich bin immer wieder erstaunt, wie Du es schaffst, jeden Tag einen qualitativ hochwertigen Beitrag zu posten. Ich bin mal gespannt, wie lange Du dieses Qualitätsniveau und diese Frequenz durchhältst!
Übrigens: Ich bin es mir wert, täglich Dein Blog zu lesen!
Danke für die Komplimente. Schaumermal… wegen der Frequenz und wie sich dieser Blog entwickelt
Hallo Sandra,
ein wichtiges Thema … die Sache mit dem Selbstwert. Schön, dass Du es aufgreifst, danke!
Da ich sowohl Zeiten als Angstellte als auch als Selbständige hinter mir habe, habe ich eine recht hohe Bandbreite an Stundenlöhnen erlebt
… bei mir war mal bei 6 Euro Stundenlohn für einen Controller-Job der Punkt erreicht, wo ich mal „nein danke“ sagen konnte … andererseits war ich aber auch mal sprachlos vor Staunen (und konnte somit glücklicherweise NICHT „nein danke“ sagen), als ich bei einer Schulung für einen Kollegen einsprang und 1.000 DM am Tag verdiente … Wahnsinn, war DAS ein Gefühl damals
Das werd ich mir grad mal „zurückholen“ … *lach* … und die Gage für meine Hauptdarstellerin erhöhen!
Danke für die Inspiration!!! Und ich tippe auf schnell wachsende Besucherzahlen hier … !!!
Fröhliche Grüße, Ulrike
[...] an Ideen und Inspirationen immer sprudelt. Gibt es eine Garantie für Flow und Schaffensfreude? Dave hat sich in einem Kommentar gefragt, wie lange ich die Frequenz und Qualität der Beiträge noch [...]