1. Bewusstes Kommunizieren: “Ich“- statt „Du“-Botschaften
Es lohnt sich, hier den inneren Dialog-Regisseur bewusst zu aktivieren: „Du“-Botschaften zerstören oftmals die Kommunikation, während „Ich“-Botschaften sie in Gang bringen und dabei beim Thema bleiben. „Du“-Botschaften suchen (sich) gerne „einen Schuldigen“ oder „Verantwortlichen“. Wenn ich etwas erreichen will, komme ich mit klaren Aussagen über mich, meine Bedürfnisse und Ziele in jedem Falle weiter. Das erhöht meinen Einfluss, weil der andere im Dialog mit mir bleibt statt sich angegriffen zu fühlen. Eine typische „Du“-Botschaft ist: „Du hörst mir nicht zu!“ oder „Nie hörst du mir zu!“ Eine „Ich“-Botschaft ist hingegen: „Im Moment habe ich den Eindruck, dass meine Worte ins Leere gehen. Hörst du mir noch zu?“ (Übrigens, der Satz „Ich finde, Sie sind ein Idiot, Meier!“ ist auch eine „Du“-Botschaft
)
2. Machen statt versuchen
„Ich versuche…“ Versuche verschwenden in den meisten Fällen Ihre Energie und sind zudem Frustverstärker, wenn der Versuch (wieder) scheitert. Etwas zu „versuchen“ hat die Botschaft huckepack, dass es scheitern kann… Klienten, die den Versuch ankündigen, mit dem Rauchen aufzuhören, frage ich nach der Intensität dieses Wunsches. Meist liegt er auf einer Skala von 0 bis 10 unter 5. Das spiegelt das Wort „versuchen“ in meiner Wahrnehmung deutlich. Werte um 7 oder 8 ohne das Verb „versuchen“ haben bessere Aussichten auf Erfolg.
3. Indikativ statt Konjunktiv
„Wäre“, „würde“… der Konjunktiv wird in unserem täglichen Sprachgebrauch immer wieder gerne genommen. „Ich würde vorschlagen…“ oder „Ich fände es gut, wenn…“ sind vor allem Abschwächer. Diese Art der Kommunikation benutzen besonders Frauen häufig und machen sich damit klein. Mehr Einfluss und Wirkung hat der Indikativ: „Ich schlage vor…“ oder „Ich finde es gut, wenn…“ Achten Sie diese Woche doch einfach einmal darauf, wie oft Sie den Konjunktiv einsetzen. Auch in Briefen… „Ich würde mich freuen…“ – freuen Sie sich einfach (ganz würde-los
. Diese Selbstbeobachtungsübung eignet sich natürlich auch für die Herren.
4. Lösungsfokus statt Problemfokus
Sich auf Probleme zu fixieren und in Gedanken ständig um sie zu kreisen schwächt. Frei nach Albert Einstein: Ein Problem lässt sich nur mit einem anderen Denkmuster lösen als dem, das es verursacht hat. Die Gehirnforschung weist ebenfalls nach, dass unser Lösungszentrum in einem anderen Gehirnareal sitzt als der Bereich, in dem wir Probleme wälzen. Hier hilft die berühmte Coaching-Wunderfrage: “Über Nacht geschieht ein Wunder und Ihr Problem löst sich in Luft auf. Woran merken Sie das am nächsten Tag? Was hat sich verändert?“ (Ich gebe zu, dass sich das als Selbstcoaching-Methode leichter anhört als es ohne nachfragenden Coach ist.)
5. Jetzt ist der Augenblick der Macht (MANAWA)
MANAWA heißt in der Hawaiianischen Hunalehre das vierte Prinzip: Jetzt ist der Augenblick der Macht. Vergangenheit und Zukunft sind beide unerreichbar, die Gestaltungsräume erschaffen wir uns genau jetzt. Aus diesem Grunde komme ich immer wieder auf das Thema „Kommunikation“ und meine oft erwähnten „Ich“- und „Du“-Botschaften. Für mich sind Sie einer der wesentlichen Schlüssel zu mehr Verständnis, Kooperation und einem friedlicheren Miteinander. All das ist in meinen Augen „Einfluss“, den ich in meinem Leben habe und nehmen kann.
6. Ein Beispiel für weniger oder mehr Einfluss
Weniger Einfluss:
Meine Clique hat mich zum Rauchen gebracht!
Ich würde gerne versuchen, nicht mehr zu rauchen!
Aber ich habe so große Probleme mit dem Aufhören: Ich bekomme garantiert schlimme Entzugserscheinungen und nehme zu, meine Nervosität wächst, meine Laune wird immer schlechter und und und…
Mehr Einfluss:
Es gab eine Zeit, da fand ich Rauchen cool - damals, in meiner Clique, ließ ich mich davon anstecken, weil ich mich genauso lässig fand wie die anderen.
Jetzt entscheide ich mich für ein besseres, gesünderes Leben und konzentriere mich darauf, was mir gut tut. Ich lese das Buch Endlich Nichtraucher von Allen Carr, das schon Millionen geholfen hat, sich aus dieser Sklaverei zu befreien oder ich finde eine andere Strategie, mit meinem „brennenden Wunsch“ oder starkem Drang, mir selbst zu schaden, fertig zu werden.
Das Wunder sieht so aus: Plötzlich stehen Sie morgens auf und sind frei. Sie atmen gute Luft in Ihrer ganzen Wohnung (und bald auch in Lokalen… in Berlin sind wir hier noch etwas zurück). Sie stellen Ihre Ernährung um, weil sie plötzlich mehr Power haben und damit automatisch mehr Lust, sich zu bewegen und sich gesund zu ernähren. Sie schmecken wieder, was Sie essen. Ihre Kleidung riecht wunderbar frisch…



Ein wenig Probleme habe ich mit dem, was Du unter Punkt 3 schreibst. Gerade im Hinblick auf Deinen nächsten Beitrag zum Thema Glaubwürdigkeit bekomme ich doch leichte Magenschmerzen.
Den zunehmenden falschen Gebrauch des Indikativs an Stelle des Konjunktivs verbinde ich mit einem Werteverfall, genauer mit dem Verfall des Wertes Sorgfalt und damit auch mit dem Wert Glaubwürdigkeit.
Statt die deutsche Sprache zu „verbiegen“ würde ich an anderen Komponenten der Kommunikation ansetzen: Der Kunjunktiv in Verbindung mit einem Lächeln und einem energetischen Sprachmelodieverlauf und dem „Brustton der Überzeugung“ ist viel überzeugender als der (falsche) Indikativ in Verbindung mit monotoner Stimme und starrer Mimik.
Wenn ich es mit qualitätsbewussten Menschen zu tun habe, achte ich auch auf meine sprachliche Qualität. Und dazu gehört der richtige Gebrauch von Indikativ und Konjunktiv.
Interessanter Gedanke, Dave, die Verknüpfung von Konjunktiv und Glaubwürdigkeit. Ich freue mich auf/über Deine Antwort/Deinen Kommentar ist für mich der authentische Ausdruck einer Möglichkeit, die ich für real halte: dass Du nämlich antwortest/kommentierst. Ich würde mich über Deine Antwort/Deinen Kommentar freuen, macht es in meinen Augen vage, gibt die Freude aus der Hand und macht sie vom Gegenüber abhängig.
Meine Freude ist meine Freude – ob das Gegenüber antwortet oder es lieber lässt. Ich freue mich.
(Selbstverständlich wäre auch ich unbedingt dafür, den Konjunktiv grammatikalisch richtig einzusetzen… wenn ich ihn denn einset…
Stattgegeben. Aber:
„Ich freue mich, wenn Du kommentierst.“ setzt einen bereits getätigten Kommentar bzw. die Gewohnheit zu kommentieren voraus.
„Ich würde mich freuen, wenn Du kommentiertest.“ hingegen drückt die potentielle Freude über einen noch nicht abgegebenen Kommentar aus. Mit Indikativ ist in diesem Fall nichts zu machen, der Sinn wäre entstellt.
„Ich freue mich über Deinen Kommentar.“ ist als Aussgae falsch, solange ich noch nicht kommentiert habe.
Leider verschwindet diese sprachliche Feinheit zunehmend aus dem allgemeinen Sprachgebrauch. Aber Sprache ist für mich ein wichtiges Medium zur Kommunikation, und eben deshalb lege ich sehr viel Wert auf die Pflege im Umgang mit dem Medium.
*Metakommunikationsmodus ein*
Aus grammatikalisch korrekten Indikativen „Ich schlage vor…“ oder „Ich finde es gut, wenn…“ oder „Ich freue mich…“ leitet sich in diesem Kommentarwechsel eine für mich interessante Bewertung ab, die da lautet: „falsch“.
„Ich freue mich über Deinen Kommentar (die Einladung zu einem Gespräch etc.)“ ist das im Deutschen weit verbreitete „Futur in Gestalt des Präsens“: „Ich werde mich über Deinen Kommentar (die Einladung) freuen“ (so denn eine/r kommt), ist genau das, was ich ausdrücken will.
Das Schöne an der Sprache ist für mich, dass wir alle frei sind, uns auszusuchen, wie wir etwas sagen wollen. Wer den Konjunktiv mag, richtig(er) findet oder aus anderen Gründen lieber einsetzt, ist ja ganz frei in dieser Entscheidung.
Manchmal ist es auch einfach spannend darüber nachzudenken: Über einen Konjunktiv, der als „Muss“ und/oder Garant für Glaubwürdigkeit daherkommt beispielsweise…
*Metakommunikationsmodus aus*
Mein Lateinlehrer, Peter Adler, OStD (inzwischen a.D.), war ein weiser Mann. Er sprach 1988 folgenden Satz:
„Wenn Sie im Jahr 2000 eine Grammatik beim Kapitel Konjunktiv aufschlagen werden, wird dort stehen: Nimm den Indikativ!“
Er sollte Recht behalten… *gg*