In die Analogie von der Lebensregie passt, dass an den Nachbar-Filmsets immer etwas los ist. Das verführt auch schon einmal dazu, den eigenen Regiestuhl unter den Arm zu klemmen und hinüber zu spazieren. “Wie setzen Sie denn hier Licht?!“, ruft es dem Regisseur da laut entgegen. „Das ist doch eindeutig viel zu dunkel hier!“ oder „Drehen Sie doch besser eine Komödie!“ Kommt Ihnen das auch bekannt vor? (Ganz abgesehen von den Co-Regisseuren, die sich dann dauerhaft am fremden Set niederlassen.)
Interessant wird es, wenn dies auf Resonanz stößt. Da ist die Frage nach den eigenen Emotionen schnell präsent. Wann genau fühlen sich Menschen genervt oder gar „verletzt“? Was macht es schwierig, Regieanweisungen oder Kommentare anderer zum eigenen Film zu ignorieren? Natürlich kann dies bei jedem andere Gründe haben. Manche Menschen reagieren einfach auf Be- und Abwertung des eigenen Handelns durch andere. Wer mag schon gerne Phantasien, Interpretationen oder Projektionen ausgesetzt sein, die als „Du-Botschaften“ daherkommen?
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass ich auch privat mit „Ich-Botschaften“ am besten fahre, wenn mein Mitteilungsbedürfnis zum Filmset eines anderen Regisseurs groß ist. Ich frage in solchen Momenten: „Mir ist etwas aufgefallen, möchten Sie/möchtest du es wissen?“ Und dann verpacke ich meine persönliche und individuelle Wahrnehmung in die entsprechenden, dazu passenden Worte: als meine persönliche, individuelle Wahrnehmung. Das hört mein Regie-Kollege dann auch mit einem anderen Ohr als dem für die „Du-Botschaften“. Und wer weiß, wenn es sich stimmig und konstruktiv anhört, leiten sich auch Konsequenzen aus Feedbacks ab.
Und beruflich? Im Coaching sind Kommentare, die sich als Tatsachenbehauptungen kleiden, erst recht kontraproduktiv. Ein Coach, der zu seinem Klienten sagt: „Herr Müller, Sie regen sich häufig so auf, das ist unprofessionell und ungesund!“ gibt in meinen Augen Herrn Müller genau in dem Moment einen Grund, sich aufzuregen. Als unprofessionell nehme ich hier den Coach wahr. Ja, am eigenen Set - auch immer etwas los.
Herzlich mit einem augenzwinkernden: öfter mal die eigene Klappe halten
![]()
Sandra Heinzelmann



