
Im Juni unterhielt ich mich mit einem Mann aus dem Publikum meines Vortrages, der sich selbst als „Bohnenzähler“ bezeichnet. Plötzlich kramte er während des Gespräches in seiner Hosentasche und drückte mir ein paar Bohnen in die Hand. Ich schaute etwas verdutzt. Diese, so der Mann, seien bestens dafür geeignet Glücksmomente zu zählen: Jedes Mal, wenn er etwas als schön oder angenehm erlebe, stecke er eine Bohne von einer Hosentasche in die andere. So ließe sich am Ende des Tages Glücksmomentebilanz ziehen. Er habe diese Idee aus einem Buch von Horst Cohnen adaptiert und sie leicht abgewandelt.
Das gefiel mir auch. Statt Bohnen besorgte ich mir Hülsenfrüchte, die ich wegen ihres Namens sehr mag: Kichererbsen
In einem goldfarbenen Organzasäckchen auf meinem Schreibtisch symbolisieren sie für mich die heiteren Momente und die Dinge, für die ich dankbar bin. (Männer haben es, denke ich, mit den Hosentaschen etwas leichter).
Der Überlieferung nach verdanken wir das Zählen mit Hülsenfrüchten übrigens Karl Baedeker (1801 – 1859): Er gilt als der Vater der „Erbsenzähler“. Beim Besteigen des Mailänder Doms soll der westfälische Freiherr Karl Gisbert Friedrich von Vincke 1847 Baedeker dabei ertappt haben, wie dieser alle 20 Stufen stehen blieb und eine trockene Erbse von der Westen- in die Hosentasche steckte. Mit 20 multipliziert, ergab die Zahl der Erbsen plus Reststufen die präzise Stufenangabe für Baedekers späteren Reiseführer.
Solche Gegenstände - seien es Erbsen, Bohnen, Perlen oder kleine Steine – können im Alltag als so genannte Anker dienen. Sie rufen im optimalen Falle schon beim Betrachten oder Berühren das angenehme Gefühl hervor, das wir ihnen zuschreiben, und verstärken es. Vielleicht inspiriert Sie das auch zu etwas? Ich freue mich, wenn Sie es (mit)teilen.



Liebe Sandra,
danke für diesen schönen Hintergrundartikel.
Ansonsten gilt: Manchmal muss man das Glück vielleicht auch quantifizieren, um sich bewusst zu machen, wie gut es einem geht.
Liebe Grüße, Ulf
Ja, Sandra,
ich bin dem Bohnenzähler auch schon begegnet.
Auf einem Seminar.
Sie haben völlig recht, ob Bohnen, Erbsen, Perlen, etc. gezählt werden, bei jedem Glücksmoment, den man registriert, ist unerheblich.
Bisher war das Wort „Erbsenzähler“ bei mir mit negativen Assoziationen verbunden.
Ab jetzt, ist es auch positiv liiert- mit Ihnen, als Erbsenzählerin!
Vielen Dank!
Das ist drei Dominosteine wert…
Übrigens, falls wir mit „der Bohnenzähler“ die selbe Person meinen, dann gibt mehr zum Bohnenzähler, über den Bohnenzähler, vom Bohnenzähler, zu erfahren, hier:
http://bohnenzaehler.blog.de
Ich wünsche Ihnen, dass viele Erbsen wandern dürfen…
in einer angenehmen Adventszeit (und danach…),
Gilbert Bergner