Feedback zu geben, gehört zu den großen Herausforderungen in Beruf und Alltag. Es bietet hervorragende Chancen für ein konstruktives und wertschätzendes Miteinander, der Basiskomponente für Erfolg. Wo eine empathische, lösungsorientierte Feedback-Kultur herrscht, fühlen sich Menschen angenommen, wohl und sicher. Wo diese Kultur fehlt, öffnen sich schnell Türen und Tore für Missliches…: MissVerständnis, MissStimmung, MissDeutung, MissTrauen.
Kennen Sie den „Feedback-Burger“? Er besagt, dass Kritik am besten zwischen zwei positive Aussagen oder Anerkennung verpackt wird. Das „Fleischstück“ in der Mitte, also das Formulieren dessen, was missfällt oder dringend einer Veränderung bedarf, geschieht lösungsorientiert und konstruktiv. Sie sagen genau, was Sie anders haben wollen. Damit lösen Sie sich von dem, was der Feedback-Nehmer „falsch“ gemacht hat und schauen auf das, was für Sie „besser“ funktioniert. Wenn das Feedback schriftlich erfolgt, ist noch mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Durch das Wegfallen der anderen Wahrnehmungskanäle ist hier besonders viel Raum für (Fehl-)Interpretationen und (Miss-)Deutungen. Die Stimme fehlt, der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung entfallen – alles liegt an den Buchstaben. Wenn Sie ein WORT so schreiben, fühlt sich der Leser Ihrer Rückmeldung sehr wahrscheinlich angeschrieen oder er empfängt eine Botschaft zwischen den Zeilen wie “KAPIERST DU DAS“. Auch wenn es Ihnen unbewusst ist: Diese Art des Sendens verursacht oft atmosphärische Störungen in der Kommunikation, in einem Feedback-Kontext umso mehr. Da regt sich automatisch Widerstand und das, was geändert oder verbessert werden soll, gerät schnell in den Hintergrund.
Ein Mitarbeiter schlägt vor, durch eine zusätzliche Qualitätskontrolle vor einem speziellen Arbeitsprozess, bei dem regelmäßig Ausschuss produziert wird, Geld einzusparen. Lassen Sie bitte die folgenden beiden Möglichkeiten auf sich wirken, wie sein Chef Feedback zu diesem Vorschlag gibt.
„Lieber Herr Müller, Ihre Idee ist sehr naiv. Sie übersehen in Ihrem Vorschlag, dass die von Ihnen empfohlene Kontrolle zusätzliche Kapazitäten bindet, die wir gar nicht haben. Schon jetzt ist unsere Personaldecke äußerst dünn… usw.“ Herr Müller ist wahrscheinlich enttäuscht oder sogar sauer, wenn er diese Antwort erhält. Der Satz „Ihre Idee ist sehr naiv“ ist (ab)wertend. In der Grundaussage ist das Feedback destruktiv und konzentriert sich nur auf einen negativen Aspekt. Es mangelt zudem an Wertschätzung gegenüber Herrn Müller, der augenscheinlich ein engagierter und mitdenkender Produktionsangestellter ist.
alternativ:
„Lieber Herr Müller,
danke für Ihren interessanten Vorschlag und dafür, dass Sie sich für Verbesserungen in unserem Unternehmen engagieren.
Ich finde Ihre Idee unbedingt prüfenswert, was die Realisierbarkeit angeht. Bitte stellen Sie mit dem Controlling für die letzten drei Jahre Kalkulationen zusammen, wie hoch die Material- und Personalfolgekosten durch mangelhafte Materialqualität vor Produktionsschritt XY waren. Wir rechnen sie dann mit dem Zeit- und Personalkostenaufwand einer zusätzlichen Qualitätskontrolle gegen. Nur wenn es sich tatsächlich schwarz auf weiß rentiert, ist Ihre Idee realisierbar. Besten Dank und auf weiterhin gute Zusammenarbeit, mit freundlichen Grüßen Robert Meier“. Die Botschaft des ersten Feedbacks: vergessen Sie’s, das geht ja gar nicht! Die Botschaft der zweiten Rückmeldung: Wertschätzung, Anerkennung, Wunsch nach einer Prüfung und gemeinsamen konstruktiven Lösung. Selbst, wenn Müllers Idee am Ende unrealisiert bleibt, ist er weiterhin motiviert: aufgrund des Umgangs mit ihm.
Wie sind Ihre Erfahrungen mit Feedbacks und Kritik?




Hallo Sandra, das ist ein unglaublich spannendes Thema und ich finde es immens wichtig, Mitarbeiter (und Kollegen) zu motivieren. Ein motivierter Mitarbeiter arbeitet nicht nur „besser“ und lieber, sondern die gesamte Stimmung ist für alle Kollegen besser.
Meine Erfahrung mit Feedbackvon oben: Versammlung aller Verkäuferinen, Chefin beginnt:“ Ich sehe hier die Verkaufszahlen der letzten Woche, Ihr arbeitet alle wirklich sehr gut, ABER…..“ Pamm, Schlag ins Gesicht! Alles was vor dem „aber“ kam, vergiss es, zählt nicht mehr… Wir sind alle nachher frustriert und mit hängenden Schultern aus der Versammlung rausgegangen…
(mehr dazu hab ich etwas gepostet unter http://andrea2007.wordpress.com/2007/11/29/ja-ja-und-ja-aber/ )
MEIN Feedback an meine Mitarbeiter und Kollegen sieht daher anders aus. Da wir sehr viele neue Mitarbeiter in dieser Saison haben, war ich für ihre Schulung zuständig und u.a. haben wir Rollenspiele gemacht, um Dinge zu veranschaulichen und zu üben.
Ich konzentriere mich grundsätzlich zuerst auf die positiven Dinge; da die Beurteilung vor allen Kollegen stattfand, hab ich als erstes gesagt; Super, das hast Du sehr gut gemacht. Du hast das und das und das sehr gut beachtet, gute Fragen gestellt usw. Und dann hab ich gesagt, Wenn ich Dir dann noch einen zusätzlichen Tipp geben darf, an der Stelle hättest Du noch folgendes fragen/sagen können, das macht Dir den Verkauf dann leichter…
So weiss ich, dass der Mitarbeiter in Zukunft die Dinge, die er eh schon gut macht, auf jeden Fall weitermacht, weil es dafür ja schon dickes Lob gab, also ein Erfolgserlebnis und dadurch, dass ich ihm Lob gab und positiv auf ihn eingegangen bin, hab ich sein offenes Ohr für Vorschläge und Tipps. Er versteht sie nicht als Kritik , sondern als Unterstützung und es ist ja auch so gemeint.
Liebe Grüsse
Andrea
Liebe Sandra, liebe Andrea,
ich habe auch gute Erfahrungen damit gemacht, den Schwerpunkt darauf zu setzen, das Positive zu verstärken.
Und ich habe ebenso gute Erfahrungen damit gemacht, dass ich über meine Fehler offen rede. Das gestattet einem, in einem Team offen über Fehler zu reden UND ZU LACHEN und gemeinsam daraus zu lernen.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass sie vor Dritten nicht in die Pfanne gehauen werden, wenn mal was schief läuft, sie müssen das Gefühl, dass ihre Arbeit Wertschätzung erhält, sie müssen wissen, dass sie gut SIND und noch besser WERDEN können. Für sich selber, für das Team, für die Kunden, für die Firma.
Liebe Grüße, Ulf
Hallo Andrea,
hallo Ulf,
danke für die tollen Beispiele. Ich finde es schön, dass Ihr es so handhabt. Mein Eindruck ist, dass es in diesem Themenfeld einen großen Bedarf nach Veränderung und Entwicklung gibt.
So Vieles läuft tatsächlich über unsere gesprochene oder geschriebene Sprache!
Das Wort „aber“ erlebe ich auch als Brems- und Blockade-Wort par excellence. Ja aber… es ist doch ein wichtiges Wort!!!
„Ich sehe hier die Verkaufszahlen der letzten Woche, Ihr arbeitet alle wirklich sehr gut und weil das so ist, bin ich optimistisch, dass wir sie gemeinsam noch weiter steigern…“
Oder so
Liebe Grüße
Sandra
Hallo Sandra,
Feedback ist unbedingt erforderlich. Es trägt zur Entwicklung bei.
Feedback geben, insbesondere zu Reden/Präsentationen lässt sich z.B. in Toastmasters-Klubs üben.
Der nächstgelegene Toastmasters-Klub fände sich z.B. auf http://www.Toastmasters.org.
Feedback, ist die Grundlage dafür, an Qualität zu gewinnen.
Feedback soll einen freundlichen Grundton haben, auch wenn Kritik geübt wird.
Schlussendlich, wächst nur, wer aufgezeigt bekommt, was er (warum) bereits gut macht und was er (wie) verbessern kann.
Da jedes Feedback rein subjektiv ist, ist es hilfreich, von vielen Menschen zu einer speziellen Situation ein Feedback zu bekommen.
Dann kristallisiert sich eine „Mehrheitsmeinung“ heraus, auf der sich aufbauen ließe.
Wer Feedback erhält, entscheidet selbst, welche Anregungen er gelten lässt und künftig berücksichtigen wird.
Wer zu Reden / Präsentationen Feedback erhalten möchte, wende sich an…
Ihr wisst schon…
Gäste sind willkommen, bei freiem Eintritt.
Eine angenehme Adventszeit wünscht Ihnen/Euch
Gilbert Bergner
Liebe Sandra, danke für die neue Formulierung des Satzes, ich weiss allerdings nicht, ob ich das so weitergeben kann…;-) ICH selber werde auf jeden Fall meinen Schwerpunkt auf die positiven Dinge legen, wie Du es so schön beschreibst Ulf, und das tue ich nicht nur in diesem Bereich…
Liebe Grüsse an alle Vorgesetzten;-) Andrea