GrenZen
Januar 30, 2008 von Sandra Heinzelmann

Grenzen, für viele von uns sind sie ein Thema, das mit Unsicherheiten und Gefühlen wie Angst, Wut, Kränkung und Schmerz besetzt ist. Wir haben das Bedürfnis, uns (friedvoll oder energisch) abzugrenzen und wissen gleichzeitig, dass Grenzen trennen und blockieren. Dass Zen Teil des Wortes ist, mag als Einladung Gedanken zum eigenen Umgang mit Grenzen anstoßen. “Das Leben zu leben in seiner ganzen Fülle” findet sich bei Wikipedia unter dem Begriff Zen. Zur Fülle gehört auch die Fülle an Energien und Erscheinungsformen, die in diesem Thema Grenzen steckt. Oft geht es ja im Grunde um den Raum, den wir für uns selbst brauchen und die Frage, wieviel davon wir uns selbst zugestehen. Wertvoll ist, die Dimensionen des Bedürfnisses nach Abgrenzung besser zu verstehen und in einem ersten Schritt als Realität anzunehmen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Klient hat Schwierigkeiten in seiner frisch gestarteten Selbstständigkeit. Sein Thema bringt er selbst in einem Wort auf den Punkt: ”Selbstwert?!”. Dies zeige sich, so die Erkenntnis des Freiberuflers, in seiner mangelnden Fähigkeit, sich abzugrenzen. Als Jurist ist er in einem Geschäftsfeld tätig, mit dem viele Menschen zu tun haben. Immer wieder fragen ihn Bekannte oder Netzwerkkontakte in eigener Sache nach Unterstützung, Tipps und Rat. Kostenlos. Er gibt diese, fühlt sich dabei jedoch dazu gezwungen und irgendwie ausgenutzt. Beim näheren Hinsehen stellt der Klient fest, dass dieses Thema mehrere Dimensionen für ihn hat und auch verschiedene, starke Gefühle auslöst. Aufgedröselt sind das für ihn: die Wut darüber, dass seine (Dienst)Leistung für lau erwartet wird. Das erlebt er sichtlich echauffiert: “Ich muss doch auch von etwas leben!” Existenzängste sind Teil dieser als heftig erlebten Emotion. Gleichzeitig fühlt er sich gekränkt, weil er es als fehlende Wert-Schätzung interpretiert. Eine weitere Angst spielt in seinem emotionalen Cocktail eine Rolle, weil er befürchtet, durch ein “nein” vielleicht potenzielle Mandanten zu vergraulen. Da hört er eine Stimme aus seinem Inneren: “Stell dich nicht so an. Der Markt ist heute so! Man muss erst einmal ganz viel geben, dann kommen auch die Aufträge!” Schuld ist ebenfalls eine diffuse Emotion: “X hat große Probleme, da muss ich doch helfen… Er ist ja ein guter Bekannter.”
Der Anwalt erarbeitet sich in der Folge eine persönliche und bewusste Strategie, wie er künftig mit solchen Anfragen umgeht. Das Wahrnehmen der verschiedenen Gefühle wirkt unterstützend. Von der “Grenze” nähert er sich gedanklich und in seinem Handeln dem Raum, den er selbst braucht und der sich für ihn gut anfühlt. Damit verändert sich im Laufe der Zeit auch seine Haltung. Sein entspannterer Umgang mit “Du-ich-hab-da-mal-eine-juristische-Frage” bringt ihm mehrere Folgemandate. Aus einem ursprünglichen “Ich muss mich abgrenzen” wird: “Ich brauche mehr (Entscheidungsspiel)Raum…”
Welche Erfahrung haben Sie mit dem Thema Grenzen?



Grenzen, liebe Sandra,
das bedeutet Rückzug auf die eigene Kompetenz,
ohne das Wohl des Gesamten im Auge zu haben.
Grenzen sind aber auch der Schutz vorm
Ausgenutztwerdensollen.
Wenn aus Hilfsbereitschaft ein Ausgenutztwerden wird,
dann sind Stoppsignale angesagt.
Sich ausgenutztfühlen ist schon eine Reaktion auf eine Schieflage.
Ich habe gute Erfahrungen gemacht, so viel wie möglich zu geben. Einmal. Das erste Mal. Beim zweiten Mal habe ich auf darauf hingewiesen, dass es Spielregeln (im Geschäftsleben Prozesse genannt) gibt, die man einhalten sollte..
Liebe Grüße,
Ulf