Alle Begegnungen in unserem Leben, die Resonanz bei uns auslösen, sind letztlich immer auch: Spiegelungen. So gesehen treffen wir in unserem Gegenüber letztlich immer auf uns selbst und unsere ureigenen Themen.
Manchmal ist dies sehr schmerzvoll, vor allem, wenn wir mit unserem Gegenüber eine Liebesbeziehung haben. Noelani* erlebte dies sehr intensiv. Sie hat mir erlaubt, Erkenntnisse aus ihrem intensiven Prozess anonym zu veröffentlichen. Damit will sie anderen Menschen Mut machen, nach dem Geschenk zu suchen, das auch eine gescheiterte, enttäuschte Liebe macht. In ihrem Falle war dieses Geschenk sehr gut unter einem Trümmer- und Scherbenhaufen verborgen. Sie musste lange suchen, bis sie es entdeckte. Immer wieder war sie (tränen)blind, flüchtete sich in eine Opferrolle. Natürlich ist es auf den ersten Blick leicht(er), sich selbst als “Opfer” zu sehen. Doch in Wahrheit greift das Bild von “Opfer” und “Täter” in Beziehungen viel zu kurz.
In der Interaktion miteinander hatten Noelani und ihr Partner ihre spiegelbildlichen Polaritäten ausgelebt. Wo er schwieg, ja kein Wort über sich, seine Gedanken und Gefühle mitteilte, redete sie zu viel, sprach sie für ihn. Wo er alles in sich hineinfraß und -schluckte, explodierte sie nach außen. Wo sie ständig etwas machte, redete er, ohne zu handeln. Sie spiegelte ihm auch seine Wut, seine große Traurigkeit – Gefühle, die er verdrängte und negierte.
Vor allem seine Mutter bekam viel von Noelanis Aufmerksamkeit und negativen Gefühlen – auf einer Gedankenebene – ab. Was Noelani an diesem Punkt des Prozesses noch vollkommen aus dem Blick verloren hatte, war sie selbst. Sie sah nur den Mann, der mit seiner Mutter in eine Abhängigkeitsbeziehung verstrickt war. Das machte sie unbeschreiblich wütend und zugleich ebenso traurig. Dass auch sie selbst sich ihm gegenüber immer wieder im Wechsel wie eine liebevolle und manchmal auch strenge, dominante Mutter verhalten hatte, wurde ihr erst im Nachhinein schmerzlich bewusst.
Behutsam und vorsichtig wagte Noelani in den folgenden Monaten den Blick in ihr eigenes, gut verborgenes “Schattenreich”. Sie erkannte durch Methoden wie die Arbeitsblätter von Byron Katie (www.thework.at), dass sie selbst ebenfalls emotional verstrickt war: mit ihrem Vater. Auch hier der Spiegel: Was sie ihrem Freund vorgeworfen hatte, betraf sie selbst. Der Platz an ihrer Seite war besetzt – mit einer mächtigen, alten Energie aus ihrer Kindheit. Ihr Freund hatte ihr einfach nur bestätigt, was sie im tiefsten Inneren von sich selbst geglaubt hatte: “Du bist es nicht wert, geliebt zu werden. Du bist falsch, so wie du bist.”
In der Folge setzte Noelani sich intensiv damit auseinander, die alten, destruktiven Energien aus ihrer Kindheit zu erkennen und zu verwandeln. Dieser Prozess dauert aktuell noch an. Nach dem Geschenk in dieser Begegnung befragt, sagt sie heute: “Ohne diesen Freund wäre mir meine eigene Gefangenheit in alten Mustern niemals bewusst geworden. Ich war mir so sicher, dass ich frei und offen für die Liebe war, als ich ihm begegnete. Doch dieser Blick in den Spiegel hat mir gezeigt, wo ich wirklich stand… Ich sehe es als eine große Chance für mich.”
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Welcher Mensch “regt” Sie gerade “auf”? Was tut er oder sie? Können Sie sich vorstellen, dass Sie an diesem Menschen etwas verurteilen, das Teil Ihrer selbst ist? Dasselbe gilt auch für die als schön und angenehm erlebten Wesenszüge anderer Menschen. Alles, was Sie wahrnehmen, ist auch in Ihnen selbst. So gesehen bieten unsere Spiegelungen: die größte Chance, uns des Menschen bewusst zu werden, der wir jetzt in diesem Moment sind.
Die Arbeit von Hal & Sidra Stone finde ich persönlich ebenfalls sehr hilfreich, wenn es um das Erkennen und Ausbalancieren unserer inneren Energien, Polaritäten und Muster geht. Mein Buchtipp:
Partnering: A New Kind of Relationship: Creating Magic and Excitement in Your Relationship
(* Name geändert)


