Die Quintessenz meiner Lektüre gleich zu Beginn: „Frauen wollen erwachsene Männer – Warum Männer sich ablösen müssen, um lieben zu können“ von Roland Kopp-Wichmann ist ein sehr wertvolles Buch.
Wenn die Männer (und auch Frauen), die es betrifft, sich auf die 195 Seiten einlassen, eröffnen sich viele Chancen: Chancen der Selbsterkenntnis durch die klaren Fallbeispiele, Chancen der achtsamen Innenschau durch Einladungen zu einem Test und Selbstbeobachtungsübungen sowie Chancen der Veränderung durch Wege aus dem bereits vorhandenen – oder beim Lesen bewusst werdenden – Leiden. Mangelnde Abnabelung von der Mutter beziehungsweise von den Eltern schafft Probleme: in der Beziehung zur Partnerin und in der Beziehung zu sich selbst. „Nur wer getrennt ist, kann sich vereinigen“ lautet sehr treffend auch ein Kapitel des Buches.
Gute Chancen – wenn oder besser falls die betreffenden Männer es lesen… Die Vermutung liegt nahe, dass vor allem viele Frauen dieses Buch interessant finden, weil sie mit Männern zu tun haben oder hatten, die sich in der Rolle des „unmännlichen“ und/oder „unerwachsenen“ Mannes einrichten. Auch die Frauen bekommen Antworten, denn es hat ja einen Grund, sich gerade einen solchen Mann auszusuchen. Roland Kopp-Wichmann bringt hier ebenfalls Licht ins Dunkel der oftmals unbewussten Partnerwahl. Dies ist ein wertvoller Randaspekt für die weiblichen Leserinnen, die bereit sind, auch ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen.
Noelani hat das Buch auf meine Empfehlung ebenfalls gelesen. Sie ist vor allem fasziniert davon, dass sich ihre selbst erarbeitete Erkenntnis während der Lektüre bestätigte: Ihr ehemaliger Freund, der eine unerlöste Mutterbindung hatte, spiegelte ihr letztlich, dass sie selbst sich von ihrem Vater lösen musste, um frei für eine echte, intime Bindung zu sein. Es hatten sich ein „Mutter-Sohn“ und eine „Vater-Tochter“ zusammen gefunden. „Ich wünschte, er würde das Buch lesen!“ sagte sie mir und seufzte zugleich, dass dies sehr unwahrscheinlich sei, denn er wolle sich nach eigener Aussage ja gar nicht verändern.
Bei allem Ernst der Thematik hat der Humor viel Platz bei Roland Kopp-Wichmann. Das macht die Lektüre kurzweilig und vergnüglich.
Gewünscht habe ich mir beim Lesen: weniger orthographische und stilistische Fehler. Bücher haben für mich auch immer Vorbildfunktion, wenn es um die deutsche Sprache und den Ausdruck geht. Selbst in Zeiten wachsender Sparzwänge in Verlagen finde ich aufmerksames Korrekturlesen wichtig, wenn es um die Qualität von Büchern geht. „Sie kommen ziemlich erledigt vom Büro ziemlich erledigt nach Hause“ oder „Und ich halte ich es auch nicht aufrecht“ sind nur zwei Beispiele von vielen.
Inhaltlich fiel mir an der Sprache zu den Übungen an einer Stelle etwas besonders auf. Ein Satz, als „positiv formuliert“ angekündigt, lautet: „Ich schulde meinen Eltern nichts.“ Als Anhängerin echter Affirmationen erlebe ich diese Aussage als stark wirkende Negation. Das Verb „schulden“ und die Verneinung „nichts“ senden an mein Gehirn den Impuls „Schulden“! Anders ausgedrückt ginge es für mich um „Balance“ oder „Ausgeglichenheit“ – in meiner Wahrnehmung das Gegenteil von Schulden.
Männer, die in einem „unmännlichen“/“unerwachsenen“ Verhaltenskorsett gefangen sind, erleben es ja gerade als massive Bedrohung, in Frage gestellt zu werden. „Lies doch mal dieses Buch!“ wird höchstwahrscheinlich beim betreffenden Mann genau den trotzigen „Mutter-Reflex“ hervorrufen, den der Autor sehr klar beschreibt. Wie kommt also ein wertvolles Buch an den Mann? Wird er es sich in der Buchhandlung neugierig selbst aus dem Regal nehmen? Mit dem Titel „Frauen wollen erwachsene Männer“ kaum, denn er selbst hält sich ja für erwachsen…
Ich jedenfalls wünsche mir, dass viele betroffene Männer dieses Buch trotzdem für sich entdecken, um sich gemeinsam mit ihren Frauen aufeinander zu zu entwickeln. „Ein Kapitel für beide“ zeigt auch genau dieses Anliegen des Autors.
Frauen wollen erwachsene Männer: Warum Männer sich ablösen müssen, um lieben zu können



Das klingt interessant. Ich trau mich wohl, das zu lesen…
Danke für den Tipp.
Schöner Tipp, Danke!
In diesem Zusammenhang finde ich noch die Seite zum Buch “Frauen wollen erwachsene Männer” erwähnenswert.
“Noch weitaus lohnender finde ich die Lektüre von Roland Kopp-Wichmanns Blog “Der Persönlichkeits-Blog”. Hier gibt er regelmäßig Tipps zum erfolgreichen Selbstcoaching, oft mit Bezügen zu aktuellen Forschungsergebnissen aus Psychologie und Neurobiologie.”