Eine Frau, ein Wort: danke! Danke an die Autoren Björn Süfke und Wolfgang Neumann für die Einladungen zu zwei spannenden und berührenden Expeditionen: ins unbekannte Land „Mann“.
Die Lektüre der beiden Bücher „Männerseelen – ein psychologischer Reiseführer“ und „Den Mann zur Sprache bringen“ fand ich – beruflich und persönlich – bereichernd. Vor allem haben mich die Ausflüge in die männlichen Seelenlandschaften sehr berührt: Gerade die vielen Fallbeispiele bauen auch weiblichen Lesern Brücken zu mehr Verstehen und Verständnis des anderen Geschlechts.
Gefühlsabwehr – und damit auch eng verbunden die Hass-Liebe gegenüber Frauen – ist ein zentrales Thema der männlichen Sozialisation. Deren sichtbarstes Zeichen: (emotionale) Stummheit. Süfke und Neumann beleuchten die Entstehungsgeschichte dieser Gefühlsabwehr und ihre Konsequenzen für die Männer. Ja, auch Schweigen lässt sich immer übersetzen. Es ist oftmals sogar sehr beredt. Diese Erkenntnis macht Mut, gemeinsam Wege aus der Sprachlosigkeit zu suchen. Auch Männer haben Angst. Natürlich. Sie kennen Hilflosigkeit, Trauer, Ärger und Wut, Schuldgefühle, Scham, Sehnsüchte und Liebe sowie Lust. Weil es zutiefst menschliche Gefühle sind. Zu solchen Gefühlen offen zu stehen, sie zuzulassen und mit ihnen umzugehen ist eine Entwicklung, die sich Björn Süfke und Wolfgang Neumann für Männer wünschen. Denn auch und gerade die Stärken der Männer sind genau hier angelegt.
Schon aufgrund des versöhnlichen und verständnisvollen Zugangs zu Männerwelten und -seelen ist das Lesen beider Bücher in meinen Augen für Frauen und Männer gleichermaßen lohnenswert. Das gilt übrigens auch für das therapeutische Fachbuch „Den Mann zur Sprache bringen“. Der hohe Wiedererkennungswert ist es und der liebevolle Umgang mit den Männern und ihren ureigenen Themen. Therapeut Wolfgang Neumann schreibt gerne Geschichten oder Gedichte für seine Klienten. Schon in dieser Form der Intervention steckt viel… ja, Liebe und Herzblut: von Mann zu Mann. Er zeigt damit auch seine eigene Verletzlichkeit, lebt durch die Sprache, durch das Wort das Gegenteil von sprachloser Gefühlsabwehr vor. Alleine die Fallgeschichten aus dem therapeutischen Alltag im dritten Teil des Buches (Seite 153 bis 269) machen die Lektüre auch für psychologische Laien wertvoll und lohnenswert.
Jede weibliche Biographie ist stark geprägt von Erfahrungen mit „dem Männlichen“. Da gibt es die Väter, die häufig durch ihre (emotionale) Abwesenheit schmerzvolle Erfahrungen im Leben der Töchter bewirk(t)en. Da sind die (Ex-)Partner, die Frauen durch ihre vermeintliche Gefühllosigkeit von sich weg treiben… Die Mechanismen kennen zu lernen, die hier wirken, hilft auch den Frauen.
Ein Leben mit (mehr) Gefühl kommt letztlich allen zu Gute.




