Drei Bücher zum Thema Beziehungen:
„Ich liebe dich und was jetzt?“ Claus Kostka komprimiert auf 83 Seiten seine eigenen Beziehungserfahrungen als Ehemann und Vater von vier Kindern sowie seine Erkenntnisse als Therapeut, Berater und Seminarleiter. Da die gelingenden – ebenso wie die scheiternden – Beziehungen Gesetzmäßigkeiten und Phasen folgen, ist Vieles schon „bekannt“. Doch ist es tatsächlich auch fest im Bewusstsein verankert? Etwas zu wissen und etwas zu leben… dazwischen liegen manchmal Welten. Die Lektüre hat mir dies einmal mehr bewusst gemacht.
Das Buch lädt zum (Rück)Blick auf eigene Beziehungen ein. In meinen Augen ist „Ich liebe dich und was jetzt?“ ein Plädoyer für (mehr) Lebendigkeit und Aufrichtigkeit im Miteinander von Paaren und, ja, Menschen allgemein. Das Buch macht Mut, sich überhaupt (wieder) wahrhaftig auf einen anderen Menschen einzulassen.
Als sechs wichtige Bedingungen dafür identifiziert Claus Kostka: Beziehung ist Arbeit (und darf trotzdem Spaß machen), Verpflichtung, Durststrecken durchhalten, eine gemeinsame Vision, Bonding (das englische Wort für Bindung) sowie Auseinandersetzung.
In Zeiten boomender Internet-Partnersuche dachte ich beim Lesen auch daran, wie oft neue Bekanntschaften gar nicht mehr in die Echtphasen einer organisch wachsenden Beziehung eintreten. Drei von vier Onlinesuchenden bleiben im Durchschnitt erfolglos und damit Single. Bei Millionen von Suchenden sind das letztlich beachtliche Zahlen.
Gerade in den Single-Portalen mit ihren Slogans „Der Eine“ oder „Die Eine wartet auf dich“, nährt sich ja das Märchen von der Liebe als Selbstläuferin à la „Ich brauche nur die Richtige/den Richtigen und alles klappt von alleine“. Arbeit an mir und an der Beziehung? Nein danke, zu anstrengend. Verpflichtung? Viel zu einengend. Im anderen in einen Spiegel sehen? Ja, aber bitte nur, wenn ich mich in verliebten Augen spiegeln kann. Meine eigenen Schwächen und Projektionen laste ich lieber dem anderen an. Wenn mir etwas missfällt, gehe ich eben. Der Nächste oder die Nächste wartet doch schon…
Claus Kostka sieht vier wesentliche Schritte auf dem Weg in eine lebendige Partnerschaft: Verantwortlich sein, Raus aus dem Dramadreieck, Unterstütze deinen Partner und Alle Gefühle gelten. Im Anhang finden sich Übungen und Texte.
Gehören Sie eher zu den Menschen, die sich zwar sehnlich eine echte Beziehung wünschen, aber immer an “den oder die Falsche/n” geraten? An Menschen, die alles tun, um Grenzen zu ziehen, Hindernisse aufzubauen und so einer Bindung aus dem Weg zu gehen? Was steckt bloß hinter diesem Muster?
„Nah und doch so fern“ von Steven Carter und Julia Sokol kann wertvolle Antworten auf diese Frage geben. Dieses zeitlose Buch über Beziehungsangst und ihre Folgen erklärt eindrucksvoll und nachhaltig das Phänomen des passiven und aktiven Vermeidens bei Männern und Frauen. Ambivalenz lässt sich auch passiv ausleben, indem ich mir immer Partner/innen aussuche, die für eine echte Bindung nicht zu haben sind.
Wie sehr die körperliche (Nicht-)Interaktion zwischen Partnern Ausdruck tiefer liegender Themen und Prozesse sein kann, zeigt David Schnarch in seinem Buch „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“. Was auch bei Claus Kostka thematisiert wird, nämlich die Tendenz vieler Paare symbiotisch zu verschmelzen und damit die tragfähige und gesunde Basis echter Partnerschaft aufzulösen, erklärt Schnarch mit dem Begriff der Differenzierung. Damit meint er die Fähigkeit am eigenen Selbst festzuhalten und dennoch dem Partner – auch körperlich – nah zu sein und zu bleiben. Wie das gelingt und welche Wege dorthin führen, erklärt der amerikanische Sexualtherapeut mit spannenden Fallbeispielen aus seiner Praxis und auch seiner eigenen Ehe.
Drei Beziehungsbücher, die
viele Aha-Erlebnisse garantieren!
Herzlich
Sandra Heinzelmann


